„Spanien verändert seine Ess- und Einkaufsgewohnheiten“
- Auf den ersten Blick klingt die Entwicklung widersprüchlich.
- Die Menschen in Spanien verbrauchen langfristig weniger Lebensmittel, geben dafür aber deutlich mehr Geld aus.
- Zwischen 2016 und 2024 sank der durchschnittliche Lebensmittelverbrauch von 661 Kilogramm beziehungsweise Litern pro Person auf 572 Kilogramm beziehungsweise Liter.
- Das sind rund 89 Kilogramm beziehungsweise Liter weniger pro Person.
- Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel von 1.528 Euro auf 1.787 Euro pro Person.
- Das entspricht einem Plus von ungefähr 260 Euro.
- Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent.
- Damit beginnt eine Entwicklungsgeschichte, die weit über Lebensmittelpreise hinausgeht.
- Denn hinter diesen Zahlen stehen veränderte Haushalte, andere Arbeitsbedingungen, neue Handelsstrukturen, steigende Kosten, veränderte Kochgewohnheiten und eine andere Nutzung von Zeit.
- Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf Spanien.
„Mein Name ist Jakob Diener“
- Ich bin freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen in Deutschland.
- Ich habe viele Jahrzehnte lang in Spanien gelebt und gearbeitet.
- Dabei habe ich unter anderem in Katalonien und insbesondere in Cambrils gelebt.
- Ich kenne deshalb nicht nur die touristische Seite Spaniens, sondern auch die politische und soziale Entwicklung des Landes über viele Jahre hinweg.
- Und gerade beim Thema Einkaufen gibt es eine wichtige Besonderheit.
- Wer Spanien über Jahrzehnte kennt, weiß, dass der häufige Einkauf kleiner Mengen dort keineswegs eine neue Erscheinung ist.
- Brot, Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch wurden vielerorts schon immer für den unmittelbaren Bedarf gekauft.
- Der kleine Einkauf zwischendurch gehört seit Jahrzehnten zum spanischen Alltag.
- Neu ist deshalb nicht unbedingt die Einkaufsgewohnheit selbst.
- Neu sind vielmehr die wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen diese traditionelle Einkaufsweise heute stattfindet.
„Spanier kaufen nicht plötzlich anders ein“
- Die aktuelle Entwicklung darf deshalb nicht falsch interpretiert werden.
- Spanien hat nicht erst in den vergangenen Jahren entdeckt, dass man häufiger und kleinere Mengen einkaufen kann.
- Diese Einkaufsweise gehört zur spanischen Alltagskultur.
- Was sich verändert hat, ist das Umfeld.
- Die Haushalte werden kleiner.
- Die Bevölkerung altert.
- Die Arbeitswelt hat sich verändert.
- Die Zeit zum Kochen ist für viele Menschen knapper geworden.
- Gleichzeitig sind Lebensmittel teurer geworden.
- Der Verbraucher achtet stärker auf Preise und Eigenmarken.
- Und gleichzeitig wächst das Angebot an vorbereiteten und verzehrfertigen Lebensmitteln.
- Damit entsteht eine neue Kombination aus einer alten Einkaufsgewohnheit und einer modernen Handelswelt.
„Weniger Lebensmittel, aber höhere Ausgaben“
- Die Entwicklung zwischen 2016 und 2024 ist besonders deutlich.
- Der durchschnittliche Lebensmittelverbrauch pro Person ging um ungefähr 13 Prozent zurück.
- Die Ausgaben stiegen gleichzeitig um 17 Prozent.
- Das bedeutet nicht automatisch, dass die Menschen schlechter oder weniger abwechslungsreich essen.
- Es bedeutet zunächst einmal, dass sich die Zusammensetzung des Warenkorbs und seine Kosten verändert haben.
- Im Jahr 2025 zeigte sich sogar eine kleine Gegenbewegung.
- Der gesamte Lebensmittel- und Getränkekonsum in Spanien erreichte rund 30,8 Milliarden Kilogramm beziehungsweise Liter.
- Das waren etwa 0,4 Prozent mehr als 2024.
- Pro Kopf wurden 2025 rund 681,72 Kilogramm beziehungsweise Liter konsumiert.
- Das waren 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
- Die langfristige Entwicklung und die jüngste Entwicklung müssen deshalb auseinandergehalten werden.
- Spanien hat zwischen 2016 und 2024 einen deutlichen Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs erlebt.
- 2025 kam es erstmals seit fünf Jahren wieder zu einem leichten Anstieg.
- Gleichzeitig stiegen die gesamten Ausgaben weiter.
- 2025 wurden in Spanien insgesamt rund 123,7 Milliarden Euro für Lebensmittel und Getränke ausgegeben.
„Der Preis ist nicht der einzige Preis“
- Rund 35 Prozent der Verbraucher nennen den Preis als wichtigsten Faktor beim Lebensmitteleinkauf.
- Damit wird der Preis zu einem zentralen Bestandteil der Einkaufsentscheidung.
- Aber der Preis auf dem Preisschild ist nicht zwangsläufig der tatsächliche Preis eines Einkaufs.
- Denn ein Supermarkt muss zunächst erreicht werden.
- Und genau hier beginnt eine zweite Rechnung.
„Der billigere Supermarkt kann teurer sein“
- Ein Beispiel lässt sich auch außerhalb Spaniens leicht nachvollziehen.
- Wenn ich in der Eifel wohne und für einen bestimmten Artikel nach Düsseldorf fahren müsste, nur weil dieser dort beispielsweise 15 Cent günstiger ist, wäre die Rechnung offensichtlich unsinnig.
- Die zusätzlichen Kilometer verursachen Kraftstoffkosten.
- Dazu kommen Zeit und gegebenenfalls Parkkosten.
- Aus 15 Cent Preisvorteil kann sehr schnell ein wirtschaftlicher Nachteil werden.
- Genau diese Rechnung müssen wir auch auf Spanien übertragen.
- Ein günstigerer Supermarkt ist nicht automatisch der günstigere Einkaufsort.
- Entscheidend sind die Gesamtkosten.
- Dazu gehören der Warenpreis, die Entfernung, die Fahrtkosten, die benötigte Zeit und gegebenenfalls weitere Kosten.
„Die Entfernung gehört zur Einkaufsrechnung“
- Spanien ist hinsichtlich seiner Siedlungsstruktur sehr unterschiedlich.
- In Madrid, Barcelona, Valencia oder anderen großen Städten können Supermärkte teilweise sehr dicht an den Wohngebieten liegen.
- In kleineren Gemeinden sieht die Situation anders aus.
- Besonders außerhalb größerer Städte kann das Auto für den Einkauf eine wesentlich größere Rolle spielen.
- Nach Angaben des spanischen Statistikamtes INE nutzten 2025 rund 73,5 Prozent der Menschen in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern das Auto als häufigstes Verkehrsmittel.
- In größeren Städten lag dieser Anteil deutlich niedriger.
- Damit wird die Entfernung zum Supermarkt zu einem wirtschaftlichen Faktor.
- Wer zehn oder 15 Kilometer bis zum nächsten größeren Markt fahren muss, kauft nicht nur Lebensmittel.
- Er kauft gleichzeitig Mobilität.
„233 Einkäufe im Jahr“
- Auch die Häufigkeit der Einkäufe spielt dabei eine wichtige Rolle.
- 2025 kamen spanische Haushalte durchschnittlich auf rund 233 Einkaufsvorgänge im Jahr.
- Das entspricht mehr als vier Einkäufen pro Woche.
- Das zeigt noch einmal, warum die Entfernung zum Geschäft wirtschaftlich relevant sein kann.
- Wenn jeder einzelne Einkauf eine zusätzliche Autofahrt erfordert, entstehen über das Jahr erhebliche Kilometer.
- Bei einem großen Wocheneinkauf fällt eine bestimmte Entfernung einmal an.
- Bei mehreren kleinen Einkäufen fällt sie mehrfach an.
- Das traditionelle spanische Einkaufsverhalten bekommt dadurch eine neue wirtschaftliche Dimension.
„Mercadona, Carrefour und Alcampo“
- Wer über den spanischen Lebensmittelhandel spricht, kommt an den großen Handelsketten nicht vorbei.
- Mercadona, Carrefour und Alcampo gehören zu den Namen, die das Bild des spanischen Handels wesentlich prägen.
- Mercadona ist dabei der mit Abstand stärkste Anbieter im spanischen Lebensmittelhandel.
- Die Kette hat sich mit einem stark eigenmarkenorientierten Sortiment, einer großen Zahl von Filialen und einem auf den spanischen Alltag zugeschnittenen Konzept eine außergewöhnliche Marktstellung aufgebaut.
- Carrefour bringt dagegen eine andere Dimension hinein.
- Das Unternehmen ist nicht nur in Spanien vertreten.
- Carrefour gehört ebenso zum französischen Einzelhandel und ist damit ein Beispiel dafür, wie eng die europäischen Lebensmittelmärkte miteinander verbunden sind.
- Alcampo steht stärker für das klassische Hypermarktprinzip.
- Gerade dieses Geschäftsmodell steht heute allerdings unter einem anderen Wettbewerbsdruck als noch vor einigen Jahrzehnten.
- Der spanische Lebensmittelhandel verschiebt sich zunehmend in Richtung Supermarkt und wohnortnaher Einkaufsformate.
- 2025 entfielen rund 68,2 Prozent der Lebensmitteleinkäufe auf Supermärkte.
- Der traditionelle Lebensmittelhandel kam dagegen nur noch auf rund 10,6 Prozent.
- Der Onlinehandel lag bei ungefähr zwei Prozent.
„Der Supermarkt ist nicht nur ein Geschäft“
- Die Entwicklung von Mercadona, Carrefour und Alcampo zeigt deshalb mehr als die Stärke einzelner Unternehmen.
- Sie zeigt, wie sich der Einkaufsort verändert.
- Der große Hypermarkt am Stadtrand kann ein enormes Sortiment anbieten.
- Er kann bei bestimmten Produkten attraktive Preise bieten.
- Er kann große Mengen ermöglichen.
- Aber er benötigt unter Umständen eine längere Anfahrt.
- Ein wohnortnaher Supermarkt kann dagegen bei der Erreichbarkeit punkten.
- Das ist besonders interessant, wenn Verbraucher häufig kleinere Mengen einkaufen.
- Dann wird die Nähe selbst zu einem wirtschaftlichen Vorteil.
„Eigenmarken verändern den Warenkorb“
- Auch die Bedeutung der Handelsmarken darf nicht unterschätzt werden.
- 2025 entfielen in Spanien rund 48,6 Prozent der gekauften Produkte auf Eigenmarken.
- Der Anteil stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte.
- Das zeigt, dass Verbraucher auf steigende Preise reagieren.
- Sie wechseln nicht zwangsläufig den Supermarkt.
- Sie können innerhalb des gleichen Marktes das Produkt wechseln.
- Aus Markenware wird Eigenmarke.
- Aus einem teureren Produkt wird ein günstigeres Produkt.
- Der Warenkorb verändert sich, obwohl der Einkaufsort gleich bleibt.
„Weniger Zeit verändert auch das Kochen“
- Die Veränderungen im spanischen Lebensmittelkonsum sind nicht allein eine Preisfrage.
- Auch die Zeit spielt eine immer größere Rolle.
- Der Anteil verzehrfertiger und vorbereiteter Lebensmittel hat deutlich zugenommen.
- Seit 2013 stieg der Verbrauch von Fertig- und Convenience-Produkten um mehr als 45 Prozent.
- 2024 wurden davon rund 806 Millionen Kilogramm konsumiert.
- Der Wert dieses Marktes lag bei ungefähr 4,4 Milliarden Euro.
- Das bedeutet allerdings nicht, dass die traditionelle spanische Küche verschwindet.
- Ganz im Gegenteil.
- Gerichte wie Linsengerichte, Tortilla de Patatas, Suppen, Fischgerichte, Salate und andere traditionelle Speisen gehören weiterhin zum Alltag.
- Die spanische Küche verschwindet nicht.
- Sie verändert teilweise ihre Zubereitung.
„Tradition trifft moderne Küchentechnik“
- Auch die Art der Zubereitung verändert sich.
- Pfanne und Plancha spielen weiterhin eine wichtige Rolle.
- Gekochte und gedämpfte Speisen bleiben bedeutend.
- Gleichzeitig gewinnen moderne Küchengeräte und vorbereitete Produkte an Bedeutung.
- Die Heißluftfritteuse erreichte 2024 bereits einen Anteil von ungefähr vier Prozent bei den erfassten Zubereitungsarten.
- Das ist kein revolutionärer Umbruch.
- Es ist vielmehr ein weiteres Zeichen dafür, dass die spanische Küche traditionelle Gerichte mit neuen technischen Möglichkeiten verbindet.
„Olivenöl und Fisch zeigen eine andere Entwicklung“
- Bei einigen klassischen Produkten ist der langfristige Rückgang allerdings besonders auffällig.
- Der Haushaltsverbrauch von Olivenöl ging zwischen 2006 und 2023 um rund 29 Prozent zurück.
- Der Verbrauch von frischem Fisch sank im gleichen Zeitraum sogar um rund 35 Prozent.
- Das ist bemerkenswert, weil beide Produkte tief mit der spanischen Ernährungskultur verbunden sind.
„Hier treffen mehrere Faktoren aufeinander“
- Preis.
- Gesundheitsbewusstsein.
- Veränderte Haushaltsstrukturen.
- Andere Einkaufsgewohnheiten.
- Und die Frage, wie häufig bestimmte Lebensmittel tatsächlich noch auf dem Speiseplan stehen.
„Gesund essen kostet Geld“
- Gleichzeitig wächst das Interesse an gesunder und nachhaltiger Ernährung.
- 2025 erklärten 77,1 Prozent der Befragten, dass ihnen gesunde Ernährung wichtig sei.
- Rund die Hälfte der Verbraucher berücksichtigt nach der langfristigen Untersuchung Nachhaltigkeitsaspekte beim Einkauf.
- 59 Prozent bevorzugen lokale Produkte für ihren Wocheneinkauf.
- Spanien verfügt zudem über eine der größten Flächen des ökologischen Landbaus in Europa.
- Rund 2,95 Millionen Hektar werden ökologisch bewirtschaftet.
- Aber auch hier entsteht ein Widerspruch.
- Biologische Lebensmittel lagen 2024 durchschnittlich rund 28 Prozent über dem Preisniveau der Lebensmittel insgesamt.
- Der spanische Verbraucher muss deshalb zwischen Preis, Qualität, Gesundheit, Herkunft und Nachhaltigkeit abwägen.
„Nicht nur Privathaushalte kaufen ein“
- Bisher haben wir überwiegend über private Haushalte gesprochen.
- Aber das greift zu kurz.
- Auch Restaurants, Bars, Cafés, Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und andere Unternehmen müssen Lebensmittel beschaffen.
- Und für diese Betriebe bekommt der Faktor Zeit eine ganz andere Bedeutung.
- Wenn ein Mitarbeiter eines Restaurants eine Stunde damit verbringt, Lebensmittel einzukaufen, entstehen nicht nur Fahrtkosten.
- Es entsteht auch ein Arbeitsaufwand.
- Diese Stunde fehlt an anderer Stelle.
- Der Mitarbeiter könnte Gäste bedienen.
- Er könnte vorbereiten.
- Er könnte Waren annehmen.
- Er könnte andere betriebliche Aufgaben erledigen.
- Damit besteht die tatsächliche Einkaufsrechnung eines Gewerbebetriebs aus mindestens drei Komponenten.
- Warenpreis.
- Transportkosten.
- Arbeitszeit.
„Zeit ist ebenfalls ein Preis“
- Für einen privaten Haushalt kann ein zusätzlicher Weg zum Supermarkt ärgerlich sein.
- Für ein Unternehmen kann er unmittelbar betriebswirtschaftlich relevant werden.
- Ein Restaurant benötigt möglicherweise größere Mengen.
- Dann kann der große Hypermarkt interessant sein.
- Aber auch eine Lieferung kann wirtschaftlich sinnvoller sein als eine eigene Fahrt.
- Damit wird die Logistik zu einem Bestandteil des Lebensmittelpreises.
- Der günstigste Einkauf ist nicht zwangsläufig der Einkauf mit dem niedrigsten Warenpreis.
- Es kann der Einkauf sein, der insgesamt die geringsten Kosten verursacht.
„Spanien hat nicht nur einen Lebensmittelmarkt“
- Diese Erkenntnis wird besonders wichtig, wenn wir Spanien regional betrachten.
- Das Land ist wirtschaftlich und geografisch sehr unterschiedlich.
- Ein Supermarkt in einer Großstadt hat andere Kunden als ein Markt in einem kleinen Ort im Binnenland.
- Ein Markt an der Costa Brava hat eine andere Nachfrage als ein Markt in Kastilien.
- Ein Markt auf Mallorca hat andere Rahmenbedingungen als ein Markt in einer abgelegenen Region des Festlandes.
- Und ein Supermarkt auf den Kanaren muss zusätzlich die besonderen Bedingungen eines Inselmarktes berücksichtigen.
„Die Mittelmeerküste“
- Die spanische Mittelmeerküste ist ein besonders interessantes Beispiel.
- Dort treffen einheimische Bevölkerung, Zweitwohnungen, Ferienwohnungen, Hotels, Restaurants und internationale Touristen aufeinander.
- Die Nachfrage nach Lebensmitteln kann sich saisonal erheblich verändern.
- Ein Ort, der im Winter eine überschaubare Bevölkerung besitzt, kann im Sommer eine völlig andere Größenordnung erreichen.
- Das betrifft nicht nur Restaurants und Hotels.
- Es betrifft auch Supermärkte, Lieferketten, Lagerhaltung und Transport.
- Die Infrastruktur muss für eine Nachfrage funktionieren, die nicht das ganze Jahr gleich bleibt.
„Die Inseln haben ihre eigene Rechnung“
- Auf den Balearen und den Kanaren kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu.
- Viele Waren müssen über zusätzliche Transportwege auf die Inseln gelangen.
- Das bedeutet zusätzliche Logistik.
- Und Logistik kostet Energie, Personal und Zeit.
- Deshalb kann der Lebensmittelpreis auf einer Insel nicht einfach mit dem Preis eines vergleichbaren Produkts auf dem Festland gleichgesetzt werden.
- Gleichzeitig sind die Inseln selbst bedeutende Tourismusregionen.
- Damit treffen dort zwei unterschiedliche Nachfragestrukturen aufeinander.
- Die dauerhafte Versorgung der einheimischen Bevölkerung.
- Und die saisonal stark schwankende Nachfrage durch den Tourismus.
„Tourismus verändert den Lebensmittelmarkt“
- Spanien gehört zu den wichtigsten Reiseländern Europas.
- Millionen Menschen kommen jedes Jahr als Touristen ins Land.
- Sie essen nicht nur in Hotels.
- Sie kaufen auch in Supermärkten ein.
- Sie nutzen Ferienwohnungen.
- Sie besuchen Restaurants und Bars.
- Sie kaufen Getränke, Obst, Fleisch, Fisch, Snacks und Fertigprodukte.
- Damit werden Touristen selbst zu einem Teil des spanischen Lebensmittelmarktes.
- Besonders in den Küstenregionen und auf den Inseln ist diese zusätzliche Nachfrage nicht zu unterschätzen.
„Der kleine Einkauf bleibt“
- Damit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück.
- Der häufige Einkauf kleiner Mengen ist keine neue Erfindung des Jahres 2026.
- Er gehört zur spanischen Lebensweise.
- Was sich verändert hat, ist die wirtschaftliche Umgebung.
- Die Haushalte sind kleiner.
- Die Preise sind höher.
- Die Handelsketten haben sich verändert.
- Eigenmarken sind wichtiger geworden.
- Fertiggerichte und verzehrfertige Produkte haben zugenommen.
- Die Mobilitätskosten spielen eine größere Rolle.
- Und gleichzeitig muss jeder Verbraucher entscheiden, wie viel Zeit und Geld er für seinen Einkauf aufwenden kann.
„Lebensmittel sind mehr als der Preis im Regal“
- Die spanische Lebensmittelwirtschaft zeigt deshalb sehr deutlich, dass ein Preisvergleich allein nicht ausreicht.
- Wer 50 Euro für Lebensmittel bezahlt, hat nicht automatisch 50 Euro Kosten verursacht.
- Vielleicht musste er zehn Kilometer fahren.
- Vielleicht musste er einen Parkplatz bezahlen.
- Vielleicht musste er eine Stunde seiner Freizeit aufwenden.
- Bei einem Unternehmen kommt zusätzlich die Arbeitszeit hinzu.
- Bei einem Hotel kommen Lieferlogistik und Lagerhaltung hinzu.
- Auf einer Insel kommt der zusätzliche Transportweg hinzu.
- In einer Tourismusregion kommt die saisonale Nachfrage hinzu.
- Der tatsächliche Preis eines Lebensmittels entsteht deshalb nicht ausschließlich im Supermarkt.
- Er entsteht entlang der gesamten Kette.
„Mein Fazit“
- Spanien isst nicht einfach weniger.
- Spanien isst, kauft und wirtschaftet anders.
- Der langfristige Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs ist real.
- Der gleichzeitige Anstieg der Ausgaben ist ebenfalls real.
- Aber beide Entwicklungen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
- Die andere Geschichte handelt von kleineren Haushalten, veränderten Arbeitszeiten, steigenden Preisen, Eigenmarken, Supermärkten, Convenience-Produkten, Mobilität und Zeit.
- Mercadona, Carrefour und Alcampo sind deshalb nicht nur drei große Namen des spanischen Handels.
- Sie stehen beispielhaft für unterschiedliche Antworten auf einen sich verändernden Markt.
- Und der häufige Einkauf kleiner Mengen ist ebenfalls kein neues Phänomen.
- Neu ist die wirtschaftliche Umgebung, in der dieser Einkauf stattfindet.
- Der entscheidende Gedanke lautet deshalb:
„Der günstigste Warenkorb ist nicht immer der günstigste Einkauf“
- Wer den Preis eines Lebensmittels verstehen will, muss auch fragen, wie weit der Weg zum Geschäft ist, welches Verkehrsmittel benutzt wird, wie viel Zeit dafür benötigt wird und welche zusätzlichen Kosten entstehen.
- Das gilt für den privaten Haushalt.
- Das gilt für den kleinen Gewerbebetrieb.
- Das gilt für die Gastronomie.
- Und es gilt ganz besonders in einem Land, dessen Regionen, Küsten, Inseln und Tourismusgebiete wirtschaftlich so unterschiedlich funktionieren wie Spanien.
- Damit zeigt der spanische Lebensmittelmarkt etwas Grundsätzliches:
- Nicht nur das, was wir kaufen, verändert sich.
- Auch die Kosten dafür, überhaupt einkaufen zu können, verändern sich.








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